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Kunst zwischen Markt und Seele

Kunst zwischen Markt und Seele

Vorgestellt: Uljana Scheremetjewa, Kunstmalerin und Lyrikerin aus Potsdam-Waldstadt

Ihre feingliedrige Hand glättet das Tischtuch. Sie ist etwas nervös. Man muss ihr zu Beginn auch fast jedes Wort buchstäblich „entreißen". Doch ihr Misstrauen schwindet schnell. Und das zierliche Persönchen Uljana Scheremetjewa berichtet freimütig aus ihrem Leben.

Geboren in Ternopol und aufgewachsen in Mariupol — in der Ukraine also— entwickelte die junge Frau schon sehr früh ihre Talente.„Meine Mutter sagt immer, dass ich noch nicht richtig laufen konnte aber doch schon zeichnete", lacht Uljana. In der Grundschulzeit war sie selbstverständlich im örtlichen Pionierpa last in einem KunstmaI-Zirkel. Und wer die ehemalige Sowjetunion kennt, der weiß, dass solche Kinder- und Jugendeinrichtungen federführend waren in der Ausrichtung von landesweiten Wettbewerben. So kam es auch, dass Uljana über eine Talenteauswahl und einige Wettbewerbe ins damalige Leningrad kam. An eine Spezialschule, gewissermaßen eine „Vorschule" der berühmten Repin-KunstAkademie, für besonders begabte Kinder. Uljana hatte sich ihre Delegierung (pro Platz gab es 15 Bewerber!) erkämpft.

Und fast zu Beginn ihrer Leningrader Zeit ist auch ein Foto entstanden, das die DDR-Frauenzeitschrift „Für Dich" 1980 auf ihrer Titelseite veröffentlichte. Bild-unterschrift: „Uljana... bei Rembrandt". Die damals 12 — 13 Jährige war quasi „Fotomodell" für eine Reportage über die Rettung der Kunstschätze der Eremitage während der faschistischen Blockade im Großen Vaterländischen Krieg.

In ihrer Schulzeit in Leningrad begann Uljana auch zu dichten. In ihren Versen befasst sie sich mit dem Verhältnis Mensch zur Natur, mit philosophischen Themen und — vor allem in heutigen Werken — mit der Existenz als Künstler in der Gesellschaft.

Doch zurück in die 80er Jahre. Uljana absolvierte an der Begabtenschule ihr Abitur und ging zurück nach Mariupol in die Ukraine. Jetzt wirkte sie selbst als Lehrerin für Kunsterziehung. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Sie musste wegen einer Krankheit nach Moskau. Und parallel hatte sie sich an der Strogonow-Hochschule für Angewandte und Bildende Kunst in der Hauptstadt beworben. „Wenn ich schon in die Hauptstadt fahren musste, warum sollte ich es nicht versuchen>", lacht sie heute. Viele, sehr viele Bewerber hatten das Gleiche getan. Doch Uljana fuhr „ganz locker" zum Aufnahmegespräch — ohne Prüfungsangst. Erstens wahrscheinlich, weil es ja nicht so sehr „drauf ankam". Und zweitens sicher, weil sie wusste, dass sie gut war, sehr gut sogar ... Kurzum: Uljana wurde immatrikuliert und absolvierte nun ein 6-jähriges Studium an der renommierten Kunsthochschule in Moskau.1991 hatte sie ihr Diplom als Künstler-Designerin in der Tasche. Erste feste Aufträge standen an und einige Ausstellungen waren auch auf dem Plan.

Apropos Ausstellungen. Uljana erinnert sich an eine ihrer ersten Ausstellungen, an der sie teilnahm. „Ich kam am Nachmittag des zweiten Tages in die Galerie und war entsetzt", erzählt sie heute lächelnd. Kein Bild von ihr war zu sehen. Doch die Kunsthändlerin konnte sie beruhigen — Uljanas Bilder waren bereits verkauft!

An dieses „(Sich-)Verkaufen-Müssen" kann sich die junge Künstlerin noch heute nicht so recht gewöhnen.1993 war sie ihrer Mutter nach Deutschland gefolgt und lebt seitdem in unserer Stadt. Und seither quälen sie diese Markt-Mechanismen. Für eine Künstlerin ein vertracktes, inhaltliches Problem. „Man malt zu oft für den Markt- nicht für die Seele", stellt die junge Kunstmalerin und Lyrikerin fest. Das mag man beklagen. Doch es ist eigentlich so alt, wie die Kunst überhaupt, denke ich. Kunst ist so lange eben „brotlos", wie sie keinen „Marktwert" besitzt. Und solch ein Marktwert kommt oft sehr willkürlich und auf manchmal „verrückten Wegen" zustande. Rembrandt zum Beispiel, vor dessen Bildern Uljana noch 1980 in der Eremitage posierte, starb 1669 völlig verarmt. Es fehlten ihm die Gönner (Mäzene), die Auftraggeber. Und das Aufkommen des Klassizismus leitete

zusätzlich seinen damaligen Niedergang als Maler ein. Anders war's beispielsweise bei Michelangelo, der im päpstlichen Auftrag einige seiner bedeutendsten Werke schuf. Oder Goya, der als Hofmaler Ruhm erwarb und trotz Inquisition sich eben gut „verkaufen" konnte.

Uljana Scheremetjewa malt und dichtet heute im Kinderzimmer ihrer Plattenbauwohnung in der Waldstadt II. Keine idealen Bedingungen für die junge Künstlerin. Doch sie klagt nicht.

Ihre Hauptthemen sind so genannte Stillleben. Experimente macht sie vor allem im Versuchen verschiedenster Maltechniken.

So zeigt sie mir „nasse Aquarelle" — gemalt auf nassem Papier. Eine Filigran-Arbeit. Denn schnell zerfließen die Farben. Die Spachteltechnik hat es ihr im Moment sehr angetan. Das ergibt ganz andere Strukturen als mit dem Pinsel. Alles in allem will sie aberimmerdurch ihre Farbwahl, dass positive Gefühle in ihren Bildern zum Tragen kommen.

Und noch mal zurück zum „Markt-wert". Uljana Scheremetjewa war auf der „art-Messe" im vergangenen Monat im Babelsberger Filmpark vertreten. Und am 29.November eröffnet sie eine Ausstellung ihrer Bilder unter dem Titel „Uljana Scheremetjewa — Farbenpracht — Aquarell- und Ölmalerei" im Landtag. Hoffen wir mit ihr, dass damit auch ihr Bekanntheitsgrad steigt und sie dadurch ihre Kunstwerke besser verkaufen kann und sie dann eben noch bessere Bedingungen erhält für ihr künstlerisches Schaffen.



Источник: Kunst zwischen Markt und Seelen. Potsdams andere Seite – № 5, 2005
| Автор: B. Martin